Mittwoch, 12. November 2014

Kurz mal die Handbremse gezogen...

Da will man etwas Gutes für seine Gesundheit tun und dann wird man knallhart ausgebremst… Wie ihr vielleicht bemerkt habt, war ich hier und auch auf Instagram in der letzten Woche recht wortkarg. Und wo ein »Teufelsberg-Crosslauf-Geschafftbericht« hätte stehen sollen, war nur Leere. Den Grund dafür und meine kleine Odyssee der letzten sechs Tage möchte ich euch nun nicht (mehr) vorenthalten.

Alles fing damit an, dass ich einen Gesundheitscheck machen wollte. Da ich ja nun vermehrt laufe und noch mehr (und länger) laufen und dabei natürlich immer gesund bleiben möchte, hielt ich das für eine kluge Sache. Nebenbei wird mein Laktat geprüft, so dass ich sogar hochprofessionell im optimalen Pulsbereich trainieren kann. Also wurde ein teurer Termin in einem Sportmedizin-Zentrum ausgemacht (teuer, da meine Krankenkasse solche Präventiv-Checks nicht erstattet), bei dem ich vergangenen Donnerstag angetreten bin.
Zuerst wurde ein Ruhe-EKG und eine Ganzkörperanamnese gemacht. Das erste deprimierende: ich bin tatsächlich noch zwei Zentimeter kürzer als gedacht (und sogar zwei Kilo schwerer… alles Muskelmasse hoffe ich natürlich *zwinker*). Aber alles nicht dramatisch - mir ist ja durchaus bewusst, dass ich die letzten Jahre sportlich eher mäßig unterwegs war und bekanntlich ja von nichts auch nichts kommt. Dann hieß es aufs Laufband. Dort wurde ich erst einmal verkabelt und anschließend ging es los. Ich musste immer drei Minuten in einem Tempo laufen - erst 7 km/h, dann 8, 9, 10 und schließlich 11 km/h. Vor Laufbeginn und zwischen den Geschwindigkeitsstufen wurde mir Blut aus dem Ohrläppchen entnommen für die Laktatmessung. Nach Abschluss der drei Minuten mit 11 km/h konnte ich nicht mehr und so begann die Entlastungsphase. Während der fünf Minuten lief der EKG weiter, es wurde weiter Blut entnommen und wieder Blutdruck gemessen. Auf einmal lief meine Betreuerin etwas nervös hin und her, ging schließlich zum Telefon, nahm den Hörer ab und dann war auch schon der Doktor im Zimmer, schaute auf den EKG, wies an, dass ich noch ein Ruhe-EKG im Anschluss machen soll und verließ den Raum wieder. Da war ich schon etwas durcheinander und fragte vorsichtig nach, ob dies denn normal sei. Aber meine sehr nette Betreuerin durfte wohl nichts sagen.

Nachdem ich dann geduscht war erfuhr ich dann im Sprechzimmer die Hiobsbotschaft mit den Worten "Mit diesem EKG lasse ich Sie am Sonntag nicht laufen." Uff. Das saß erst einmal. Dann zog er ein Lehrbuch hervor und meine ausgedruckte EKG-Kurve und erklärte mir ausführlich warum das Ganze. Fazit dieser zugegebener Maßen tränenreichen Sitzung: eine Senkung in der ST-Kurve.
Und das deutet darauf hin, dass die Blutkranzgefäße nicht richtig durchblutet werden. Ich war ziemlich geschockt. Baff. Gelähmt. Ich konnte mir einfach nicht erklären, warum mein Herz nicht gut durchblutet werden sollte. Immer, wenn es Durchblutungsstörungen gibt, wird scheinbar den Patienten zu folgendem geraten: Gesund ernähren mit viel Obst und Gemüse (ähm - Check!), nicht rauchen (doppeldreifach-Check!), Ausdauersport wie laufen betreiben (okay, habe ich jetzt erst angefangen…), Entspannung zum Ausgleich machen wie Yoga (ähm - Check!). Ich konnte es einfach nicht verstehen. Und plötzlich zwickte es im linken Arm, und fühlte sich komisch in der Brust an… was die Psycho doch alles so bewirken kann… An dieser Stelle ein ganz ganz dickes DANKESCHÖN an die liebe, witzige und verständnisvolle vegan_and_happy, die sogar für mich auf ihren Start beim Teufelsberg-Crosslauf verzichtete! Und auch ganz lieben Dank an dich, liebe Elb*möhre!

Zum Glück habe ich ein paar Tage später - nämlich Dienstag - bereits einen Termin bei einer sehr netten Kardiologin bekommen. Da wurde dann erst einmal noch ein Ruhe-EKG gemacht und da dieser ganz normal war wurde das Herz per Ultraschall untersucht. Weil sich dabei heraus stellte, dass alles sehr gut aussieht und keine Verengungen hat (Herzkammern, Klappen und einige große Adern), wurde heute ein Stress-Echo gemacht.
Dabei hing ich schief in einem Rad und war ziemlich verkabelt: An meinem linken Ringfinger klemmte ein Sauerstoffmessgerät, am rechten Oberarm blähte sich minütlich ein Blutdruckmessgerät auf, auf Bauch und Brust klebten wieder zahlreich Elektroden und zu meiner linken stand die Kardiologin und beobachtete mein Herz per Ultraschall während ich im Rad strampelte. Das fühlte sich alles ziemlich komisch an, aber das GUTE Ende der Geschichte: Alles sieht super aus. Meine Pumpe kriegt genug Blut, also ist mein Sportverbot endlich aufgehoben! Einziger Wermutstropfen: ich soll meinen etwas erhöhten Blutdruck in der nächsten Zeit beobachten.

Last but not Least: Trotz all dem Stress und den Ängsten, die ich in den letzten Tagen hatte, würde ich jedem empfehlen, auch so einen Gesundheitscheck zu machen. Viele Krankenkassen bezuschussen die Untersuchung auch. Und ein weiterer Vorteil: Man erfährt seine Laktatwerte und kann besser trainieren ;-)

Und ich kann mich jetzt auch endlich mit der Laktatauswertung beschäftigen. Scheinbar soll ich in einem Pulsbereich von 147 - 166 trainieren, um meine Grundausdauerkondition zu verbessern. Also wenn sich jemand mit der Analyse auskennt, bin ich für Tipps dankbar :-)



Kommentare:

  1. Ach herrje, da hast du ja die letzten Tage was durchgemacht :( Ein Glück, dass alles soweit ok ist und du jetzt hochprofessionell wieder ins Training starten kannst! Ich habe auch schon mit solch einem Gesundheitscheck geliebäugelt, da ich meiner Meinung nach ziemlich hochpulsig bin. Bis jetzt hat mein Studentenbudget immer ein großes Nein! dazu gesagt, aber es ist ja bald Weihnachten... ;) Warst du denn ansonsten zufrieden bei deinem Institut und wenn ja, würdest du mir verraten wo du warst? - Da nach meinen Klausuren vorerst Richtung München ziehen werde, wäre ich wirklich dankbar für Tipps :)

    Und nun erstmal noch einen erholsamen Schock-Entlastungsabend und einen wunderbaren ersten Lauf nach der Pause :)

    Liebe Grüße,
    Laura

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    1. Hallo Laura!
      Das mit den Kosten kann ich total nachvollziehen und hab deswegen auch lange gezögert. Leider zahlt wie geschrieben meine Krankenkasse nix (wobei ich nicht weiß, ob sie jetzt doch was zahlen müssen, weil es ja einen Befund gab... keine Ahnung...). Aber die TK zb übernimmt fast alles - da muss man nur 30 Euro zuzahlen. Also wenn du vorher einen Krankenkassenwechsel machen möchtest und kannst, würde ich das empfehlen ;-)
      Ansonsten war ich hier: http://www.sportmedizin-muenchen.eu
      Bis auf den "Befund" war ich total zufrieden - und dafür können sie ja nix. Das Team ist super nett und total freundlich und hilfsbereit und sie haben mich voll unterstützt bei der Kardiologensuche und auch bei der Terminfindung.
      Die Kardiologin (http://www.kollerkardio.de) war auch super. Sie machen auch Belastungstests (allerdings nicht auf dem Laufband, glaube ich und ohne Laktat).
      Wann und wohin ziehst du denn? Direkt nach München? Das wäre ja super :-)
      Liebe Grüße und gute Nacht!
      Regina

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  2. oh, das klingt aber nach viel Stress und unschönen Gedanken :(
    Dabei hab ich Sonntag ganz oft an euch gedacht! Aber zum Glück ging`s dann ja gut aus. Vielleicht solte ich sowas auch mal in Erwägung ziehen!

    lg

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  3. regina, wie schön!
    es freut mich so sehr, daß nun alles wieder gut ist. manmanman, wie man doch durch so eine "fehldiagnose" völlig aus der bahn geworfen werden kann. heftig. andererseits ist es ja auch gut, daß die da genau hinschauen..... hat dir denn jetzt irgendjemand sagen können, was die bei dem leistungstest gesehen haben (wollen) bei dir?
    ach schön. dir geht es wieder gut! und morgen kannste wieder laufen :-)
    liebe grüße!
    sandra

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    1. Hallo Sandra!
      Die ST-Senkung im EKG beim Belastungstest zeigte an, dass eine Herzhälfte von mir nicht durchblutet wird. Und genau die "klassischen" Elektroden zeigten dafür die Senkung an. Es wurde nicht ausgesprochen (um wohl nicht allzugroße Panik zu schüren), aber so etwas kann (laut google) dann wohl zum Herzinfarkt führen. Aber mein Gesundheitszustand bzw meine Lebensweise (Nicht-Raucher schon immer, etwas sportlich, gesunde Ernährung etc.) und auch das bloße Fehlen von Herzrasen oder Brennen in der Brust oder ein Engegefühl in der Brust sprachen eigentlich total gegen verengte Blutgefäße zb durch eine Verkalkung.
      Auch schon bei der Sportmedizin meinte der Doc, dass bei Frauen wohl aus irgendeinem Grund recht häufig Fehldiagnosen im EKG angezeigt werden. Das bestätigte mir auch die Kardiologin. Durch unsere Brust wird wohl was gezeigt, was nicht da ist oder auch etwas versteckt was da ist. Naja jedenfalls ist ein Ultraschall aussagekräftiger als ein EKG und der Ultraschall zeigte ja, dass alles gut durchblutet wird :-)
      Liebe Grüße!
      Regina

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  4. Oje, wie Nervenaufreibend *dichmaldrück*
    Gut das mit deiner Pumpe aber doch alles i.O. soweit ist...

    Liebe Grüße
    Jessi

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  5. Danke ihr lieben für die netten Worte! :-D Gute Nacht!

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  6. Du liebe Güte, da rutscht einem das Herz erst mal in die Hose - das waren sicher ein paar Horror-Tage. Wie gut, dass nun doch alles in Ordnung ist! :) Eigentlich ist es ja toll, dass man heutzutage so vieles beobachten, analysieren und Probleme bemerken kann. Auch wenn es natürlich extrem doof ist, wenn es dann einen Fehlalarm gibt, aber besser so rum, als dass man ewig etwas wichtiges übersieht.
    Viel Spaß jetzt auf jeden Fall beim Laufen und beim Training im optimalen Pulsbereich! :) (Ich wusste bislang gar nicht, dass man solche Checks machen kann, klingt sehr interessant.)
    Liebe Grüße,
    Carla

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  7. Um Himmels Willen, was ist denn bei Dir los??? Du hast mich ganz schön erschreckt, zum Glück ging am Ende alles gut aus. Ich schick Dir liebe Grüße nach München!

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